Viele, die dazu bereit sind, sich einer anzuschließen, wissen im Grunde nicht viel, oft gar nichts darüber, wie eine solche Gruppe funktioniert, was in einer solchen  Gruppe überhaupt passiert. Aus diesem Grunde möchte ich versuchen, Besuchern, die auf unseren Internetauftritt gestoßen sind, einmal einen typischen zu schildern.

Vorweg sei erstmal gesagt, dass  hier ein Gruppenabend beschrieben wird, wie er normalerweise bei uns abläuft; andere haben sicherlich andere Abläufe und Gepflogenheiten.

() “Mit uns – Für Dich”

Schon bei der Gründung der Gruppe haben wir entschieden, nicht als Verein aufzutreten. Ein Verein braucht einen Vorsitzenden, einen Vertreter, einen Schriftwart, einen Kassenwart und was-weiß-ich-nicht-alles, um überhaupt als Verein firmieren zu dürfen. Sicherlich hat ein eingetragener Verein vielerlei Vorzüge, denn als solcher kann er Zuschüsse beantragen, wird er im Vereinsregister geführt, bekommt er (mehr) bei Stadtvertretern usw. usw.

Die eigene Erfahrung zeigt, dass ein Verein viel mit Vereinspolitik zu tun hat. Und genau das wollen wir vermeiden. Bei uns steht einzig und allein der und seine im Mittelpunkt. Da wir also frei sind von Vereinszwängen, haben wir beschlossen, uns “Freie Selbsthilfegruppe” zu nennen. Das G in “FSG” weißt darauf hin, dass wir in Glückstadt im Kreis ansässig sind, denn von hier stammten anfangs die meisten Gruppenteilnehmer. Das hat sich inzwischen grundlegend geändert. Die Gruppenmitglieder kommen auch aus , , , Glückstadt und dem einschließlich und . Und selbst in Bergen/Norwegen lebt eines unserer Gruppenmitglieder, welches immer noch über unsere Homepage und via Skype mit uns verbunden ist.

“Mit uns – Für Dich”, der eigentliche Gruppenname, wurde bewusst von den Gruppenmitgliedern aus vielen Vorschlägen ausgewählt, um von Anfang an deutlich zu machen, dass die Gruppe sich dazu bereit erklärt, immer die Bedürfnisse des Einzelnen zu berücksichtigen und für ihn da zu sein. Wir haben bewusst darauf verzichtet, uns einen Namen zu geben, der sich nur auf die bezieht. Und obwohl meisten Gruppenmitglieder wegen ihrer zu uns kommen, sind wir auch offen für andere oder auch Betroffene mit - oder .

Die FSG besteht zurzeit aus 16 Personen (Betroffene und ), die die besuchen, sowie 6 Supportern, wie man heutzutage auf Neudeutsch wohl Unterstützer aus dem - und Freundeskreis nennt. Das Durchschnittsalter der Gruppe ist mit 45 Jahren relativ niedrig: das älteste Gruppenmitglied ist 57, das jüngste 35. Vom Akademiker über den selbständigen Gastwirt und den Angestellten bis hin zum Beamten oder Arbeitssuchenden stellen wir einen nahezu repräsentativen Querschnitt durch die Bevölkerung dar. Im Schnitt werden die von 9 bis 11 Mitgliedern besucht. Wir sind selten mehr, aber eben auch selten weniger…

Und wie verläuft denn nun ein solcher Gruppenabend ?!?

Der Gruppenabend fängt montags immer um 19.00 Uhr an (im “Kindergarten und Gemeindezentrum Dänenkamp”). Die meisten Gruppenmitglieder sind aber bereits 20 Minuten vorher da, weil draußen vor der Tür neben der üblichen Begrüßung auch noch bei so manchem Gespräch die eine oder andere geraucht wird.

Unsere Gruppenabende können bis zu 2 Stunden dauern, müssen sie aber nicht, denn sollte das Thema des Abends bereits erschöpfend ausdiskutiert worden sein, kann es auch vorkommen, dass der Abend auch schon nach 1 1/2 Stunden beendet wird.

Damit jeder jeden sehen und jeder jedem gut zuhören kann, sitzen wir in einem sogenannten Stuhlkreis. Die Körpersprache eines Einzelnen sagt letztendlich viel über das eigene Befinden aus, was in der Regel sehr hilfreich ist, um Probleme anzusprechen. Nebenbei stärkt ein Kreis stärkt auch noch das Wir-Gefühl…

Während unserer Gruppenabende wird weder Kaffee getrunken noch gegessen (auch wenn so manch einer von uns das immer wieder mal mit einem Augenzwinkern “fordert”). Wir treffen uns schließlich nicht zum Kaffeeklatsch, sondern wollen uns auf “unser” Thema konzentrieren; das Greifen nach dem Kaffepott lenkt in diesem Falle nur ab, ebenso das Nachschenken, das Löffelgeklapper, das Geräusch vom Keksekauen.

Pausen sind nur vorgesehen, wenn die Wogen einmal zu hoch kochen und es die Gruppe mehrheitlich für angebracht hält, mal einen “Break” einzulegen; geplante Pausen würden nur dazu führen, dass die Konzentration bzw. der Fluss abhanden kommt und der Wiedereinstieg in ein wichtiges Thema eventuell nicht mehr gelingt.

Zu Beginn des Abends werden meistens wichtige Neuigkeiten verkündet, die die Gruppe im Allgemeinen betreffen. Dazu gehört beispielsweise auch das Informieren der Gruppe, warum jemand am heutigen Treffen nicht teilnehmen kann. Wir haben es uns nämlich zur Regel gemacht, grundsätzlich jemanden aus der Gruppe darüber zu informieren, wenn man selbst am Gruppenabend nicht teilnehmen können: eine SMS, eine eMail, ein Telefonanruf ohne Begründung an ein bzw. bei einem Gruppenmitglied reicht aus. Das hat nichts mit Kontrolle zu tun, hat sich aber bewährt: wir wissen grob über die Befindlichkeiten des Einzelnen Bescheid und wir kümmern uns um einander.

Dann beginnt im Grunde genommen der eigentliche Gruppenabend mit der sogenannten Befindlichkeitsrunde: Jedes Gruppenmitglied erzählt, wie es ihm zurzeit geht und was ihm selbst so wichtig erscheint, dass er es den Übrigen mitteilen möchte. Dabei wird nicht besonders ins Detail gegangen; jeder ist gehalten, sich so kurz wie möglich zu halten. Die anderen Gruppenmitglieder versuchen sich mit Kommentaren oder Fragen an dieser Stelle zurückzuhalten. Für den späteren Teil des Treffens ergibt sich aus den Kurzberichten meistens automatisch das Thema des Gruppenabends. Die Verbindung zum Hauptthema “Sucht” herzustellen gelingt so gut wie immer.

Sollte es jedoch wider Erwarten tatsächlich einmal dazu kommen, dass kein Thema aus der Befindlichkeitsrunde erwächst, beschäftigen wir uns mit den stets wiederkehrenden Themen aus dem Bereich der , z.B. der Co-, der oder mit dem Umgang mit im alltäglichen Miteinander.

Für uns ist der Alkohol, das an sich, kein Feind. Wir haben uns eingestanden, dass Alkohol nun einmal ein legales ist, mit dem wir nicht umgehen können. Wir versuchen dem Einzelnen in der Gruppe Wege aufzuzeigen, ein ohne Suchtmittel zu führen. Wir versuchen nicht, dem Einzelnen Ratschläge zu erteilen, denn einen Weg, mit der eigenen Sucht umzugehen muss jeder für sich selbst finden.

Natürlich haben die Probleme des Einzelnen an einem solchen Gruppenabend immer Vorrang; der Einzelne ist in diesem Falle immer wichtiger als die Gruppe. So hat jeder Betroffene hat das Recht, eine Diskussion, die ihm, aus welchem Grunde auch immer, zuviel wird, sofort abzubrechen. Dieses Vetorecht wird jederzeit akzeptiert und geachtet.

Auch wenn man jetzt denken mag, dass es bei uns sehr ernst zuginge… Glauben Sie uns: bei uns wird viel une gerne gelacht, denn Lachen macht vieles leichter und erträglicher. Wir haben gelernt, unser Thema immer ernst, uns selbst aber nicht zu ernst zu nehmen !

Wir halten uns während der Gruppenabende an Regeln, die wir uns selbst auferlegt haben. Diese 12 Spielregeln im Umgang miteinander wurden demokratisch ausgearbeitet. Und weil es immer wieder einmal dazu kommt, dass wir vergessen, diese Regeln zu 100 % zu beachten (außer der ersten Regel !), werden sie ab und an mal wieder vorgelesen. Sie liegen außerdem immer in gedruckter Form in der Stuhlkreismitte, gleich neben unserem FSG-Sparschwein. In dieses steckt jeder an Gruppenabenden so viel hinein, wie er sich leisten kann oder möchte. Der Erlös kommt zugute oder wird zum Begleichen sonstiger Kosten verwendet.

Was ist noch zu sagen ?

Jeder, der die Gruppenabende besucht, nimmt sich das mit nach Hause, was ihm zum Erhalt seiner am Wichtigsten erscheint. Somit kann jeder Einzelne so viel zum beitragen, wie er möchte. Niemand wird gezwungen, etwas zu sagen; jeder gibt genau das über sich preis, was er preisgeben mag. Und wer viel in die Gruppe einbringt, kann auch viel mitnehmen für sich selbst “mitnehmen”.

Jeder Besucher der Gruppenabende wird mit empfangen, sei es ein Gruppenmitglied oder auch ein Gruppenneuling. Eines aber setzen wir voraus, nämlich dass jeder , also nicht unter dem Einfluss seines Suchtmittels stehend, den Gruppenabend besucht.

Daneben ist ist ein wichtiges Mittel, um Vertrauen zu schaffen. Wer die sagt, schadet auf Dauer nicht nur der Gruppe, sondern in erster Linie sich selbst. Sich selbst gegenüber ehrlich zu sein trägt fundamental dazu bei, die eigene beizubehalten und diese auf sichere Grundmauern zu stellen.

Die wichtigste Gruppenregel von allen ist jedoch, dass wir grundsätzlich alles, was in der Gruppe gesprochen wird, auch im Kreise der Gruppe belassen. Wir geben niemals über Gruppenmitglieder oder deren Probleme Auskunft, niemanden gegenüber. Dies hat nichts mit , sondern einzig und allein mit Selbst- und Fremdschutz zu tun. Es geht ganz einfach niemanden etwas an, wenn jemand seine Probleme im Kreise der Gruppe ausbreitet und verarbeitet.

Und zu guter Letzt: Wenn Du zu uns kommt, musst Du Dich nicht sofort entscheiden, ob Du bleiben möchtest. Du kann gerne zwei-, dreimal die Gruppe besuchen, bevor Du Dich der Selbsthilfegruppe anschließt. In diesem Fall solltest Du jedoch die Gruppenabende regelmäßig besuchen, denn diese Besuche sollen Dir letztlich dabei , über Ereignisse innerhalb der Gruppe auf dem Laufenden zu bleiben. Mitreden kann nur, wer auch weiß, was gerade passiert. Und schliesslich ist eine, wenn nicht sogar die vertrauensbildende .

Unsere 12 Spielregeln im Umgang miteinander findest Du HIER

Lutz Strzysio